Teneriffa ...

Die Geschichte, das Klima, die Bewohner

Teneriffa, das im Südosten von Gran Canaria und im Südwesten von der kleinen Insel Gomera eingerahmt wird, ist die größte Insel des Kanarischen Archipels. Mit mehr als zweitausend Quadratkilometern Fläche und einer Form, die vage an ein Dreieck erinnert, ragt die Insel aus den Fluten des Ozeans auf wie eine mächtige, schwimmende Pyramide. In der Sprache der Ureinwohner, der Guanchen, bedeutet ihr Name soviel wie "Weißer Berg", abgeleitet von den schneebedeckten Gipfeln des mächtigen Vulkans Pico de Teide, der mit seinen 3718 Metern das gesamte Archipel beherrscht. Der Ursprung von Teneriffa und der anderen Kanaren geht auf gewaltige seismische Erscheinungen und Eruptionen zurück, die vor Millionen von Jahren die Inseln aus den Tiefen des Meeres aufsteigen ließen. Einer alten Legende nach, die auch in Platons "Dialogen" anklingt, soll das Archipel ein Überbleibsel des sagenhaften Erdteils Atlantis sein, der durch eine ungeheure Naturkatastrophe im Meer versank. Die bei den Mittelmeervölkern seit Urzeiten als Gärten der Hesperiden, Elysäische Felder und Glückliche Inseln bezeichneten Kanaren wurden erst im Mittelalter besiedelt, als die demographische und wirtschaftliche Expansion der christlichen Reiche zusätzliche Lebensräume erforderte. Die ersten urkundlich erwähnten Eroberungsfahrten gehen auf das 13. und 14. Jahrhundert zurück. Es waren dies hauptsächlich genuesische, katalanische, portugiesische und aus Mallorca stammende Kaufleute und Forscher, die, vom Fieber einträglicher Geschäfte getrieben, nicht zuletzt dank der fortschrittlichen Schiffahrtstechnik immer zahlreicher vordrangen und die einst heilige Grenze der Herkulessäulen überschritten, hinter denen sich das unbekannte Meer erstreckte.Teneriffa war eine der letzten Kanarischen Inseln, die von der spanischen Armada erobert wurde.Beim ersten Versuch die Insel zu erobern wurde die komplette spanische Armada durch zahlenmässig weit unterlegene Guanchen vernichtet, in einem Hintehalt in der Schlucht von Mantanza was soviel bedeutet wie das Gemätzel. Der damalige Anführer der Spanier Don Alonso Fernandez de Lugo entkam schwer verletzt in der Uniform eines normalen Soldaten.Er flüchtete nach Gran Canaria und brauchte lange Zeit um sich von den Verletzungen zu erholen.Die Indianerhäuptlinge unter sich waren allerdings uneinig und so konnte im Jahr 1494 der andalusischen Eroberer Don Alonso Fernändez de Lugo durch Verrat die Insel einnehmen. Die Eroberung von Teneriffa endete im September 1496. Ein kühnes, grausames Unternehmen aufgrund des harten Widerstandes der stolzen Eingeborenen, die jegliche Verhandlung mit dem spanischen Heerführer ablehnten und sich weigerten, sich dem Hause Kastilien zu unterwerfen. Noch heute erinnern zahlreiche Ortsnamen der Insel an die damaligen Massaker, denen Spanier wie Guanchen gleichermaßen zum Opfer fielen. Der kriegerische Akt, der die Opposition der Guanchen brach und den Spaniern die Herrschaft über die Insel sicherte, fand nahe der Nordküste in einer kleinen Ort schaft statt, die heute unter dem Namen Acentejo bekannt ist. Die überlebenden Eingeborenen wurden zu Zwangsarbeit auf den Plantagen oder Landgütern der Adelsherren und königlichen Verwalter verurteilt, andere wurden auf den europäischen Märkten als Sklaven verkauft. Damit begann der Niedergang der Guanchen, eines möglicherweise aus Nordafrika stammenden Volkes, das im Gegensatz zu den ethnischen Gruppen der übrigen Kanarischen Inseln sich jahrhundertelang nicht mit anderen Rassen mischten. Mit Guanchen ist demnach nur die autochthone Urbevölkerung von Teneriffa zu bezeichnen, und nicht die des gesamten Archipels. Vor der Ankunft der europäischen Kolonisten befanden sich die eingeborenen Guanchen auf dem kulturellen Niveau der Jungsteinzeit. Sie lebten in Hütten und natürlichen Grotten und widmeten sich vorwiegend der Viehzucht, die ihnen Fleisch und Milch für die Käseverarbei tung lieferte. Daneben betrieben sie Landwirtschaft, wenn auch mit recht primitiven Methoden. Aus Weizen und Gerste, geröstet oder in Steinmühlen gemahlen, bereitete man einen Brei, den sogenannten "Gofio", der die Grundnahrung der Guanchen darstellte. Ihre Religion war monotheistisch, das heißt, sie glaubten an einen höchsten Gott und die Unsterblichkeit der Seele. Der Totenkult sah die Mumifizierung der Leichen vor, die mit Duftessenzen eingerieben, in Ziegenfelle gewickelt und zusammen mit Schmuck und Gebrauchsgegenständen aus dem Leben des Verstorbenen in Grabgrotten beigesetzt wurden. Die politischen und sozialen Institutionen der Guanchen beruhten auf dem Prinzip der Monarchie, die von Menceyes (Königen) regiert wurde. Die Thronfolge war erblich. Trotz der Einehe hatten beide Partner das Recht, sich im Falle der Uneinigkeit zu trennen. Nach der Eroberung durch die Spanier war die Geschichte Teneriffas und der übrigen Kanaren untrennbar mit dem Geschick des Mutterlandes verknüpft, wenngleich die Insel schon bald eine eigene Prägung erhielt. Die geographische Lage der Insel, die einen Kno tenpunkt zwischen dem afrikanischen Kontinent, der Alten Welt und Westindien darstellte, spielte schon im 16. Jahrhundert eine fundamentale Rolle. Die Inseln wurden zum obligatorischen Anlegeplatz der spanischen Flotten, die von den Häfen der Halbinsel Kurs auf die Neue Welt nahmen und schwerbeladen heimkehrten mit Schätzen, Edelsteinen, Gewürzen und in Ketten gelegten Indios, die als Sklaven verkauft wurden. Die aus Amerika eintreffenden Galeonen waren eine begehrte Beute für die Piraten, die mit ihren Schiffen den Atlantik unsicher machten und im offenen Meer rund um die Kanari­ schen Inseln stets auf der Lauer lagen. Die von der englischen und französischen Krone heimlich geduldeten Piraten wagten sich bis an die Küstenstriche vor und fürchteten auch die spanischen Festungen nicht. Der Überfall auf Santa Cruz de Tenerife im Jahre 1657 durch den berüchtigten englischen Piraten Robert Blake war nichts anderes als ein Versuch der englischen Krone, sich der Insel zu bemächtigen und so den Seeweg von der Alten zur Neuen Welt zu beherrschen. Aus diesem Grund war die Geschichte von Teneriffa bis ins 19. Jahrhundert vom Seeräuberwesen geprägt, das die Schiffahrt in den umliegenden Gewässern unsicher machte und dem Handel nicht unbeträchtlichen Schaden zufügte. Erst nachdem die Piratengefahr gebannt war, wuchsen die Städte vor allem in den Küstengebieten und entwickelten sich zu regelrechten Häfen. La Laguna, bis zum 18. Jahrhundert die größte Stadt der Insel, wurde in der Folge von Santa Cruz überrundet, das vor allem seine Handelsbeziehungen ausbauen konnte und bald Sitz der wichtigsten politischen und administrativen Institutionen wurde. Heute umfaßt die Wirtschaft von Teneriffa neben den traditionellen Monokulturen, vorwiegend Bananen, Tomaten und Kartoffeln, auch zahlreiche einträgliche Industriezweige wie Ölraffinerien, Papierwerke, Baufirmen, Tabak- und Nahrungsmittelfabriken. Nicht zu vergessen der Fremdenverkehr, der seit einigen Jahrzehnten bei weitem die wichtigste Erwerbsquelle der Insel darstellt. Von 1967 bis 1984 stieg die Zahl der Touristen aus allen Teilen der Welt steil an und erreicht heute fast die Zweimillionengrenze pro Jahr. Die Naturschönheiten, das ideale Klima und ein modernes, komfortables Beherbergungswesen lockt die Touristen rund um das Jahr auf die Insel. Unter dem Einfluß der Passatwinde, die vom Nordosten feuchte, gemäßigte Luft mitführen, und der tropischen Saharawinde bietet Teneriffa ein gleichbleibend mildes Frühlingsklima mit einer Durchschnittstemperatur an den Küstenstrichen von etwa 20° C. Die milden Luft -und Wassertemperaturen werden weiter beeinflußt durch die subtropische Lage zwischen dem 27. und 29. Breitengrad und durch den sogenannten " Archipelstrom". Teneriffa besitzt im Vergleich zu den übrigen Kanaren ein vielseitigeres und abwechslungsreicheres Klima. Die Bergketten des Landesinneren erreichen Höhen bis zu viertausend Metern über dem Meeresspiegel. Die ab und zu schneebedeckten Gipfel bilden einen spektakulären landschaftlichen Kontrast zu den goldenen Stränden, den unwegsamen, herben Wüstengebieten und den grünen Tälern, die sanft zum Ozean abfallen.